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Alle fünf Jahre 20 cm mehr

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Alle fünf Jahre 20 cm mehr

Klimaschutz-Politik, allzumal in Deutschland, neigt dazu, Widerständen auszuweichen und Klimaziele auf eine Zukunft zu projizieren, die deutlich hinter der laufenden Legislaturperiode liegt. Frei nach dem Motto: „Was wollt ihr denn? Unsere Ziele sind doch gut! Wie sie erreicht werden, kann man ja immer noch klären.“ Doch so einfach darf man es sich nicht mehr machen. Eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) sagt jetzt voraus, dass es selbst dann, wenn die globale Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf deutlich unter 2 °C begrenzt wird, dennoch für den Klimawandel einen entscheidenden Unterschied macht, wie schnell der Scheitelpunkt der Kohlendioxid-Emissionen erreicht wird: Jedes Hinausschieben des Emissions-Peaks um fünf Jahre in Richtung 2050 könnte eine Erhöhung des Meeresspiegels um zusätzliche 20 cm bedeuten, zeigt die Arbeit der Forscher.

Damit kommt die zentrale Projektion der Studie auf denen Anstieg des globalen Meeresspiegels zwischen 0,7 und 1,2 Meter – immer unter der Prämisse, dass die Pariser Klimaschutzziele vollständig erreicht werden. Man kann sich schnell überlegen, wie sich ein solcher Anstieg zunächst unmittelbar auf die Küstenländer und deren Anstrengungen zum Küstenschutz auswirken wird. Dann geht es nicht nur um Deiche entlang der Küstenlinie sondern auch um Milliarden für Sperrwerke an den Flussmündungen und/oder Deiche entlang der Flüsse bis weit ins Inland. Das werden sich nur die reichsten Industrienationen leisten können. Für alle anderen heißt es dann, aus der alten Regel „Wer nicht deicht, der weicht“ ganz neue Konsequenzen für die eigene Bevölkerung zu ziehen. Der Begriff „Völkerwanderung“ wird da plötzlich mit einer ganz anderen Bedeutung aufgeladen und hat nichts mehr mit Geschichtsunterricht zu tun.

„Der menschgemachte Klimawandel hat bereits jetzt einen gewissen Anstieg des Meeresspiegels für die kommenden Jahrhunderte vorprogrammiert, aber das bedeutet nicht, dass unser heutiges Handeln keinen großen Unterschied macht“, erklärt Leitautor Matthias Mengel vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Beim Höchststand der CO2-Emissionen kann jede Verzögerung um fünf Jahre zwischen 2020 und 2035 einen zusätzlichen Anstieg des Meeresspiegels von 20 cm bedeuten – das entspricht dem Meeresspiegelanstieg, den wir seit Beginn der vorindustriellen Ära insgesamt erlebt haben.“

Treiber des globalen Meeresspiegelanstiegs sind einerseits die Erwärmung und Ausdehnung der Ozeane, sowie andererseits das Abschmelzen der Gletscher, Eiskappen und riesigen Eisschilde Grönlands und der Antarktis. Diese Faktoren reagieren auf unterschiedliche Weise und unterschiedlich schnell auf ein wärmeres Klima, die Zeitskalen reichen von Jahrhunderten bis zu Jahrtausenden. Die Autoren berücksichtigen dabei neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die darauf hinweisen, dass das antarktische Eisschild sehr empfindlich auf die atmosphärische Erwärmung reagieren kann. „Tatsächlich wird die Unsicherheit des künftigen Meeresspiegelanstiegs derzeit von der Reaktion der Antarktis dominiert. Nach unserem heutigen Kenntnisstand zur Instabilität der Eisschilde könnten große Eismasseverluste der Antarktis selbst bei einer mäßigen Erwärmung möglich sein, die im Einklang mit dem Pariser Abkommen wäre“, sagt Matthias Mengel. „Selbst ein Meeresspiegelanstieg von bis zu drei Metern bis 2300 kann nicht völlig ausgeschlossen werden, da wir noch nicht mit Sicherheit sagen können, wie das antarktische Eisschild auf die globale Erwärmung reagieren wird.“

„Im Pariser Klima-Abkommen ist ein möglichst früher Scheitelpunkt der Emissionen festgeschrieben“, ergänzt Ko-Autor Carl-Friedrich Schleussner vom PIK und Climate Analytics. „Das mag wie eine leere Phrase klingen, doch unsere Ergebnisse zeigen, dass es quantifizierbare Folgen gibt, wenn die entsprechenden Maßnahmen verzögert werden. Deshalb sind sogar innerhalb der Ziele des Pariser Abkommens schnelle Klimaschutzmaßnahmen von maßgeblicher Bedeutung, um zusätzliche Risiken zu begrenzen. Für Millionen von Menschen in Küstengebieten auf der ganzen Welt kann jeder Zentimeter den Unterschied machen – zur Begrenzung des Meeresspiegelanstiegs ist daher die unmittelbare Senkung der CO2-Emissionen entscheidend.“

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